Top Tones Alto (Buffet S1) ohne Palmkeys Moin! Es gibt ja für die Top Tones eine Reihe von ausführlichsten Grifftabellen, teilweise mit mehreren Alternativen für jeden Ton, so dass man vor lauter Bäumen am Ende den Wald nicht mehr sieht. Teilweise liegt das daran, dass im Gegensatz bspw. zur Flöte die Top Tones nicht von Vorneherein zum Tonumfang des Saxophons gehör(t)en und die Hersteller von daher auch keineswegs bautechnisch auf dieses Register Rücksicht nahmen und nehmen. Andererseits ist das Saxophon akustisch gesehen recht kompliziert, bzw. vielfältig. So funktionieren tatsächlich meist mehrere Griffvarianten, und grundsätzlich könnte man auch einfach die normalen Griffe der ersten und zweiten Oktave noch einmal oktavieren um die dritte Oktave zu spielen. Oder noch einfacher, hier sei mal vorausgesetzt, dass man Obertöne zum tiefen Bb über 3 Oktaven spielen kann, dann greife man mal ein G'' und öffne dazu das Seiten C. Man kann so ein recht schönes A''' spielen, aber genau so gut ein ganz brauchbares G''' und auch ein H'''. Und wenn man es ganz doll treibt, so ist es sogar möglich, vom F''' bis zum G'''' praktisch alle chromatischen Töne mit diesem einen Griff zu spielen. Exerziert man das gleiche Spielchen mit dem bekannten Gabel-Hoch-F, so ist durch Alteration beider Griffe fast jede Skala in diesem Tonbereich machbar. Voilà, das wäre dann das Ende jeglicher Griffeschusterei ;-) Leider ist das Ergebnis in klanglicher Hinsicht, und vor allem auch in spieltechnischer Hinsicht nicht wirklich überzeugend, und so müssen doch wieder andere Griffe her. Für mein Altsaxophon S1 von Buffet habe ich mir im Laufe der Zeit eine recht gut funktionierende Grifftabelle zusammengebastelt, die zumindest auch auf meinem Keilwerth The New King funktioniert. Ausgangspunkt für mich waren dabei folgende Zielvorstellungen: - Möglichster Verzicht auf Palmkeys Das hat für mich einmal den Grund, dass ich das Gefummel mit den Palmkeys im Wechsel mit "normalen" Griffen ziemlich mühsam finde. Zum Anderen unterscheiden sich Saxophone (gleicher Stimmlage) akustisch vor allem in der Anordnung der Palmkey Löcher, und dadurch wird die Übertragung von einem Saxophon auf das Andere sehr erschwert. Und ich wollte gerne bei einem möglichen Saxophonwechsel mir nicht völlig neue Griffe angewöhnen müssen. Wenn es denn wirklich so deutlich besser geht, dann benutze ich allerdings auch schon mal die üblichen Palmkeygriffe, bspw. für das H''' als überblasenem D''' (plus G) und dann analog aufwärts. - Lange Luftsäule Je länger die beteiligte schwingende Luftsäule, um so satter der Ton, so meine Vorstellung. Meine Griffe beinhalten daher häufig Griffkombinationen über das gesamte Rohr, sofern dies der grundsätzlichen Greifbarkeit keinen Abbruch tut. Ist man halbwegs sicher in den Tönen und braucht man es gerade etwas griffgünstiger kann man häufig die kleinen Finger aber auch weglassen. - Greifbarkeit Ich komme ja von der Querflöte, und bin von daher das Greifen von Gabelgriffen, auch in Kombination recht gut gewöhnt. Ich habe versucht, Griffe zu finden, die für mich diesbezüglich keine grundsätzlichen neuen Anforderungen stellen. Hier und da sind aber sicherlich auch noch Alternativen denkbar, wenn es denn mal drauf ankommt. - Ansprache/Ansatz Im normalen Tonumfang gibt es von den langen zu den kurzen Tönen in jeder Oktave ja so eine gewisse Stetigkeit, was die Druckverhältnisse um Mundraum angeht. Bei meinen Griffen habe ich versucht, wilde Ansatzsprünge zu vermeiden. Wie beim Oktavwechsel von der ersten zur zweiten Oktave gibt es aber natürlich gewissen Schwellen, ab denen sich der Ansatz doch unstetig ändert. - Klang Wünschenswert wäre natürlich ein möglichst homogener Klang über den gesamten Tonbereich, bei eben solcher Dynamik. Das ist leider nicht erreichbar, für mein Buffet bin ich aber eigentlich ganz zufrieden mit dem Erreichten. Was die Griffe nicht leisten muss dann halt der Ansatz richten. Vielleicht und für die es von Interesse ist noch ein paar Worte dazu, wie ich die einzelnen Griffe gefunden habe: Analog der dritten Oktave der Flöte kann man beim Saxophon einige TopTones aus den Obertönen Oktav, Quinte und Terz zusammensetzen. Typisches Beispiel ist das G''', gegriffen als tiefes C, mit zusätzlich geöffneter Eb-Klappe. Dieser Griff funktioniert klanglich ganz gut, ist aber höchst unpraktikabel. Für das G''' (wie für diverse andere Griffe) musste ich daher eine ander Herangehensweise wählen. Diese basiert im Wesentlichen auf Ausprobieren und Durchsicht der mir zur Verfügung stehenden Tabellen. Irgendwann bin ich dann fündig geworden, habe noch ein bisschen rumprobiert und optimiert, und auf diese Weise entwickelte ich dann den letztendlichen Griff. Sehr wichtiger Ausgangspunkt waren für mich natürlich die natürlichen Obertonreihen. Ausgehend von den drei tiefsten Griffen (Bb, H, und C) kann man fast jeden Ton im Toptonebereich als einen Solchen spielen. Jetzt kann man einfach mal probieren, wie sich Klang, Ansprache und Intonation verändern, wenn man zusätzliche Löcher öffnet. Die grundsätzliche Fähigkeit, all diese Obertöne zu spielen ist im übrigen auch eine grundlegende Voraussetzung, dass meine Griffe überhaupt funktionieren. Soll heißen, so hoch wie man Obertöne spielen kann, so hoch kann man auch Toptones spielen. Wer diese Obertöne nicht beherrscht, der braucht sich eigentlich gar nicht erst die Mühe zu machen, unten stehende Grifftabelle ernsthaft zu benutzen. Manchmal ähneln die Griffe irgendwie auch der Rascherschen Grifftabelle. Sie ist aber völlig unabhängig, und praktisch ohne Kenntnis dieser entstanden. Im Nachhinein betrachtet stellte ich fest, dass die meisten Raschergriffe auch bei mir funktionieren, meine finde ich für mich vor allem grifftechnisch deutlich bequemer. Nachdem ich früher meine Griffe immer wieder verändert habe, versuche ich heute, bei möglichst einem Griffmuster zu verbleiben, einfach, weil es sehr mühsam ist, sich ständig um zu orientieren. Und zweitens, das Blas- und Griffgefühl verinnerlicht sich mit der Zeit, so dass die Chance doch deutlich steigt, dass auch der richtige Ton erklingt, wenn man ihn haben will. So, jetzt aber endlich zu meinem Schema. Grundsätzlich ist es auf meinem Altsaxophon Buffet Crampon S1 entwickelt worden. Durch den Verzicht auf die Palmkeys erhoffe ich mir allerdings, dass die meisten Griffe auch auf anderen Altsaxophonen funktionieren. Dies ist in der Tat für mein Keilwerth-Engelchen "The New King" der Fall, und scheint auch für das ein oder andere Altsaxophon zu stimmen. Auf meinem Sopran gehen die Griffe bis F'''' auch, wie übrigens auch auf meinem Tenor. Weiteres habe ich noch nicht ausprobiert. Ich hoffe, das Schema ist halbwegs verständlich, und noch mehr hoffe ich natürlich, dass es dem Einen oder Anderen hier ein wenig nutzt :-) ------------- Grifftabelle Top Tones Altsaxophon Buffet S1 ----------- alle Griffe mit Oktavklappe, diese bleibt daher unerwähnt Schema ist: 1(F),2,3,4(xx) +aa | 1,2,3,4(yy) +bb aa: Palmkeys bb: Seiten Bb, C oder hoch-E, hoch-F# xx: (G#,tief C#,H,Bb) yy: (tief C, Eb) 1(F): Hoch F []: ggf. zu greifen Hilfsgriffe: F''': 1(F),2 (nur der Vollständigkeit halber hier aufgeführt) F''': 1,2 | 1,2 TopTones: F#''': 1(F) | 1,2[,3,4(Eb)] kleine Abwandlung vom Rascher Griff: 1 | 1,2 oder 1(F),2 | 1,2 +Bb akustisch das Gleiche, gut vom G''' abwärts G''': 1(F),[4(C#)] | 1,4(C) +Bb oder: 1,3,[4(C#)] | 1,3 satter Klang G#''': 1,3,[4(C#)] | 1 +C A''': 2,3 | [1],2,3 oder: 2,3 | [3] oder: 2,3,4(Bb) | 2,3,4(C) Sopran Bb''': 3 | 3,4(Eb) oder: 2,3,4(G#) H''': 1,2,[4(H)] | 1,2 mit H satter Klang (ohne H gerne zu hoch) oder: 1,3 | 1,2 (intoniert leichter, spricht schlechter an) C'''': 1 | 1,[4(C)] oder: 1,3 | 1,[4(C)] Für die Ambitionierten noch ein paar oben drauf C#'''': 1(F) | 1 oder: 2,[4(C#)] | 2,3,4(C) D'''': 3 | 2,3 D#'''': 2 | 2,3,4(D#) oder: 2,3 | 1,2,3,4(D#) E'''': 1,2 | 1,2,[4(C)] F'''': 1,3 | 1 F#'''': 1,2 | 2,3 G'''': 2 | [2],3,4(Eb) Bis hierher wär ja eigentlich reichlich genug, aber wer denn unbedingt die 4 Oktaven voll machen will ;-) G#'''': - | 2 A'''': 1(F) | 1,2,3 Bb'''': 1,3 | 2,3,4(Eb) H'''': 1,2,3,4(H) | 1,2,4(C) oder: 1,3,[4(H)] C''''': 1,2,3 | 1,3,4(C) ----------------------------------------------- Immer noch nicht genug ? Na, einen ha'm wer noch, oder zwei C#''''': 1,2 | 2,3,4(C#) D''''': 1,2,4(Bb) | 1,2,3 D#''''': 1,2,3,4(H) |1,2,3,4(Eb) ?? (noch nicht ausgereift) E''''': 1,2 | 1,2,4(C) F''''': 1,3,4(Bb) | 1,3